Kolumbiens Karibikküste in 8 Tagen – Von Cartagena nach Santa Marta
- tweitemeyer6
- 8. Jan. 2025
- 9 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 25. Nov. 2025

Kolumbien hat für mich einen besonderen Platz im Herzen. Die Menschen, die Kultur und die komplexe Geschichte des Landes hinterlassen bei jedem, der hier wirklich Zeit verbringt, einen tiefen Eindruck. Eine Reise nach Kolumbien beginnt oft eher zufällig als geplant, und bei mir war es genau so. Während meines Praktikums in Dublin erzählte mir ein Freund von Workaway, und aus einer spontanen Idee entstanden schließlich viereinhalb unvergessliche Monate. Am Ende landete ich in der Region Boyacá, arbeitete dort mit zwei lokalen Instituten zusammen und unterrichtete Englisch und Deutsch. Diese Zeit gab mir einen echten Einblick in Kolumbien jenseits der Schlagzeilen, in seine Herzlichkeit, seinen Rhythmus und die vielen kleinen Alltagsmomente, die oft mehr über ein Land erzählen als jedes Reisevideo. Meine Reise entlang der Karibikküste Kolumbiens bildete den Abschluss dieses Kapitels und wurde zu einem stillen Abschied von einem Land, das sich langsam und unaufdringlich im Herzen festsetzt. Die folgenden acht Tage führen dich vom kolonialen Flair Cartagenas über die wilde Natur des Tayrona Nationalparks bis hin zur entspannten Atmosphäre von Santa Marta. Vielleicht geben dir diese Eindrücke eine Vorstellung davon, warum diese Küste so besonders ist, und vielleicht wecken sie in dir sogar den Wunsch, sie selbst zu erleben.
Tag 1 – Erste Eindrücke und karibisches Lebensgefühl
Cartagena begrüßt dich mit einer Welle warmer und feuchter Luft, sobald du das Flugzeug verlässt. Es gibt keinen langsamen Übergang, denn du bist sofort mitten in der Karibik. Der Flughafen ist klein und unkompliziert, doch selbst nach einem kurzen Flug aus Bogotá fühlt sich der erste Atemzug in der tropischen Hitze anders und intensiver an.
Draußen geht es etwas chaotischer zu. Viele versuchen direkt, ein Uber zu bestellen, merken jedoch schnell, dass die Fahrer das Flughafengelände nicht anfahren dürfen. Nach ein paar verwirrten Minuten findest du heraus, dass du einfach ein Stück vom Terminal weggehen musst, um deinen Fahrer zu treffen. Sobald du weißt, wo du dich hinstellen musst, ist es unkompliziert. Die Fahrten sind günstig, kosten etwa zehn US Dollar und ersparen dir das Feilschen in der Hitze.
Nach dem Einchecken, ganz gleich ob im Hotel oder im Airbnb, solltest du dir einen Moment zum Ankommen gönnen, bevor du hinausgehst, um die ersten Eindrücke zu sammeln. Die Altstadt wirkt wie ein Filmset, das jemand vergessen hat abzubauen. Pastellfarbene Häuser, blumengeschmückte Balkone, Kopfsteinpflaster und Musik, die aus jeder Ecke klingt, bestimmen das Bild. Ein guter Startpunkt ist die Kathedrale im Herzen der Stadt. Von dort aus kannst du durch den Palacio de la Inquisición schlendern und anschließend über die alten Stadtmauern spazieren, mit Blick auf die Karibik, die in der Sonne glitzert.
Stelle dich darauf ein, häufig angesprochen zu werden. Hüte, Armbänder oder Fußballtrikots, die Auswahl ist groß. Handeln gehört dazu, solange du es locker nimmst. Dabei entstehen schnell lustige Situationen. Einmal saßen wir vor einem englischen Pub, als ein Straßenverkäufer eine Freundin von mir so lange vollredete, bis sie schließlich etwas kaufte, und natürlich stand sofort der nächste Verkäufer bereit. Es war wirklich amüsant und zeigt gut, wie der Straßenverkauf hier funktioniert.
Wenn die Sonne untergeht, verändert Cartagena sein Tempo. Die Hitze wird milder, der Himmel leuchtet golden und die Dachterrassen füllen sich. Das Café del Mar ist zwar sehr touristisch, aber es gehört einfach dazu. Alquímico bietet kreative Cocktails und eine lebhafte Mischung aus Einheimischen und Reisenden. Abende in Cartagena können energiegeladen und manchmal etwas wild sein, also bleib aufmerksam, halte dich an belebte Straßen, laufe selbstbewusst und lehne Angebote, die dir merkwürdig vorkommen, freundlich ab.
Der erste Tag in Cartagena ist nicht dafür da, jede Sehenswürdigkeit abzuhaken. Es geht darum, das Gefühl der Stadt aufzusaugen. Setz dich in ein Café, hör der Musik zu und beobachte das Leben auf den Straßen. Cartagena ist keine Liste von Orten, die man abhakt, sondern eine Stimmung. Genau das macht diesen ersten Tag so besonders.

Tag 2 – Inselgefühl, Bootschaos und echtes Karibikleben
Nach einem ganzen Tag voller Eindrücke in Cartagenas bunter Altstadt geht es am zweiten Tag darum, das Tempo herunterzufahren und die Karibik von ihrer entspannten Seite zu erleben. Die Stadtstrände selbst sind nicht besonders spektakulär, doch die nahegelegenen Inseln gleichen das mühelos aus. Weißer Sand, türkisfarbenes Wasser und ein Rhythmus, der dich sofort entschleunigt, warten dort auf dich. Wenn du es unkompliziert halten möchtest, ist die Isla Tierra Bomba eine gute Wahl. Sie liegt nur etwa fünfzehn Minuten entfernt und fühlt sich an wie eine völlig andere Welt.
Schon der Weg dorthin gehört zum Erlebnis. Du buchst in der Regel nichts im Voraus, sondern gehst einfach zum kleinen Steg an den Playas El Laguito in der Nähe des Castillo Grande Hospital und sprichst dort mit den Männern, die die Bootstransfers anbieten. Feste Preise gibt es nicht, daher gehört Handeln ganz selbstverständlich dazu. Rund fünfzehn US Dollar pro Person für die Hin- und Rückfahrt sind ein guter Richtwert. Wichtig ist, dass du die Rückfahrt bereits vor der Abfahrt klärst, damit du später nicht am Strand festhängst. Die Hinfahrt ist meist problemlos, doch die Rückfahrt kann ihre eigenen Geschichten schreiben, weil dein ursprüngliches Boot vielleicht gerade unterwegs ist oder schon voll ist.
Wenn es Zeit ist, zurückzufahren, kann es passieren, dass der Strand voller Boote liegt, nur nicht dein eigenes. Der Fahrer könnte gerade auf einer anderen Tour sein, und da viele Boote nur die Gäste mitnehmen, die sie ursprünglich transportiert haben, stehst du schnell ohne Rückfahrt da. In solchen Momenten hilft es, ruhig zu bleiben. Frage die Leute am Strand, und jemand wird dir weiterhelfen. Am Ende kommst du immer zurück. Die wichtigste Lektion ist daher, die Rückfahrt eindeutig zu vereinbaren oder sicherzustellen, dass dich jedes Boot zurückbringen kann. Sobald das geregelt ist, kannst du entspannen, einen Drink nehmen und das Inselleben genießen. Das klare Wasser, der Schatten der Palmen und das langsame Tempo des Tages zeigen dir die Karibik von ihrer besten Seite. Wenn du Cartagena besuchst, überspringe die Stadtstrände und nimm ein Boot. Mit ein wenig Flexibilität wird es ein perfekter Tag.

Tag 3 – Weißer Sand, türkisfarbenes Wasser und ein paar Lektionen in Geduld
Nach zwei Tagen in Cartagena und auf nahegelegenen Inseln geht es am dritten Tag erneut um Entspannung und Karibikfeeling. Wie bereits erwähnt, lohnen sich die Stadtstrände nicht wirklich, daher empfehlen sich Ausflüge zu den umliegenden Inseln, vor allem nach Playa Blanca auf der Isla Barú und zu den Islas del Rosario.
Eine Bootstour am Hafen im Voraus zu buchen, ist sinnvoll. Am besten erledigst du das einen Tag vorher direkt im Hafen von Cartagena. Die meisten Ausflüge beinhalten die Bootsfahrt, ein Mittagessen und auf Wunsch auch Schnorchelausflüge. Die Überfahrt dauert je nach Boot ungefähr dreißig bis vierzig Minuten, und schon unterwegs bietet sich dir ein weiter Blick über das Karibische Meer, der sich wie der Beginn eines richtigen Urlaubs anfühlt. Sobald du ankommst, verlangsamt sich alles auf Inseltempo. Du kannst baden, dich sonnen und frischen Fisch direkt am Strand genießen. Es ist einfach, und genau das macht den Reiz dieses Tages aus.
Vor Ort kannst du schwimmen, dich sonnen oder frisch gefangene Meeresfrüchte direkt am Strand genießen. Wenn du etwas mehr erleben möchtest, lohnt sich eine Schnorcheltour, denn die Korallenriffe dort sind beeindruckend und gehören zu den schönsten Highlights der Region. Es gibt auch die Möglichkeit, eine Massage direkt am Strand zu buchen. Diese Angebote sind allerdings vergleichsweise teuer, sodass es sich oft eher lohnt, einfach einen Cocktail an der Strandbar zu genießen oder dir eine frische Kokosnuss von einem der lokalen Händler zu holen.
Tag 4 – Auf dem Weg nach Santa Marta
Nach ein paar großartigen Tagen in Cartagena geht es weiter nach Santa Marta. Die Fahrt dauert etwa sechs bis acht Stunden, je nach Verkehr. Eine gute Wahl ist die Busfirma Berlinas, und ein Ticket kostet in der Regel ungefähr fünfzehn US Dollar. Ein Uber zum Terminal ist unkompliziert, doch du solltest vorher genau prüfen, von welchem Terminal dein Bus abfährt, da es mehrere gibt und man nicht am falschen landen möchte.
Die Fahrt selbst ist angenehm. Die Klimaanlage kann etwas zu stark sein, weshalb ein Pullover hilfreich ist. Die Stopps unterwegs sind kurz und gut organisiert. Die Route führt durch Barranquilla, wo du theoretisch einen Zwischenstopp einlegen könntest, doch ehrlich gesagt kannst du diese Stadt ohne schlechtes Gewissen auslassen, denn der wirkliche Charme der Küste liegt weiter östlich.
Die Ankunft in Santa Marta kann zuerst ein wenig hektisch wirken. Sobald du den Bus verlässt, wirst du von Taxifahrern umringt, die dir verschiedene Angebote zurufen. Viele sprechen kein Englisch, daher ist es sinnvoll, dein Ziel auf dem Handy bereitzuhalten. Eine gute Option ist Taganga, ein kleines Fischerdorf etwa zwanzig Minuten entfernt. Ein weiteres Uber, eine kurvige Küstenstraße und plötzlich weicht das Chaos einem weiten Blick auf das Meer und warmem Abendlicht.
Wenn du ankommst, wird die Sonne bereits hinter den Hügeln stehen. Suche dir ein Restaurant am Strand, bestelle frischen Fisch und ein kaltes Bier und lass den Tag so enden, wie es ein Reisetag idealerweise tut. Du wirst müde, hungrig und zufrieden sein und direkt am Wasser sitzen, genau dort, wo du sein solltest.

Tag 5 – Entspanntes Küstenleben in Taganga
Nach der langen Fahrt aus Cartagena fühlt sich Taganga an wie ein tiefer Atemzug. Kein Stress und kein Lärm, sondern nur das Rauschen der Wellen und das langsame Tempo eines kleinen Küstendorfs. Beginne den Tag am Playa de Taganga, einer schlichten Bucht zwischen grünen Hügeln. Der Strand ist einfach, aber genau darin liegt sein Charme. Einige Boote schaukeln im Wasser, Einheimische unterhalten sich im Schatten, und ein paar Reisende liegen entspannt in der Sonne.
Falls du keinen Sonnenschirm dabeihast, ist das kein Problem. Eine der lokalen Frauen wird dich finden, noch bevor du dein Handtuch ausgebreitet hast. Für ein paar Pesos stellt sie dir einen Schirm und Stühle hin, und damit ist dein Tag organisiert. Essen und Getränke kommen direkt zu dir an den Strand. Ein kurzer Wink reicht aus, und jemand bringt dir kaltes Bier, frittierten Fisch oder einen Mojito. Bewegen musst du dich nur, wenn du selbst Lust dazu hast. Die kleine Promenade bietet alles, was du brauchst: Snacks, Sonnenschutz, Badeartikel und sogar ein paar Souvenirs. Der Tag vergeht ruhig zwischen Schwimmen, kurzen Nickerchen und dem Beobachten des Treibens um dich herum.
Am Abend wird die Hitze milder und die Bucht leuchtet orange im Sonnenuntergang. Iss in einem der Strandrestaurants frischen Fisch und bleib noch für ein paar Drinks, während die Fischerboote langsam zurückkehren. In Taganga passiert nichts schnell, doch genau diese Langsamkeit macht den Ort so angenehm und lässt dich das Gefühl haben, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein.

Tag 6 – Ein Tag am Playa Grande
Heute wartet ein weiteres kleines Paradies auf dich, denn Playa Grande ist eines der schönsten Ziele rund um Taganga. Vom kleinen Steg im Dorf bringt dich ein Boot in etwa zehn bis zwanzig Minuten dorthin, und die Fahrt kostet in der Regel zwischen fünf und zehn US-Dollar. Die kurze Überfahrt entlang der Felsküste fühlt sich bereits wie ein kleiner Ausflug für sich an. Ein Hinweis vorab: Der Handyempfang ist an Playa Grande kaum vorhanden, doch in den Strandbars kannst du gegen eine kleine Gebühr das dortige WLAN nutzen. Wenn du Lust auf ein wenig Abenteuer hast, kannst du den Weg nach Playa Grande auch zu Fuß zurücklegen. Der Pfad führt oberhalb der Bucht entlang und bietet dir weite Ausblicke über die Karibik. Du brauchst dafür ungefähr eine Stunde, und in der Mittagshitze kann der Weg anstrengend sein, deshalb solltest du Wasser und Sonnencreme dabeihaben.
Am späten Nachmittag leert sich der Strand, und die Sonne taucht das Wasser in goldenes Licht. Nimm dann ein Boot zurück nach Taganga und beende den Tag auf die Art, wie es die meisten hier tun. Iss am Meer zu Abend, trinke etwas Kühles und genieße das Gefühl, genau am richtigen Ort zu sein. Stelle dich jedoch darauf ein, dass der Wellengang auf dem Rückweg sehr stark sein kann. Bei uns ist das Boot gefühlt fast gekentert, und du wirst auf dieser kurzen Fahrt wahrscheinlich noch einmal richtig nass.

Tag 7 – Das Flair von Santa Marta aufsaugen
Nach den entspannten Tagen am Meer wird es Zeit, Taganga gegen die lebendige Energie von Santa Marta zu tauschen. Die kurze Fahrt zurück verläuft schnell, und am Vormittag kannst du bereits in deine Unterkunft einchecken. Santa Martas Altstadt steckt voller Leben, mit kolonialer Architektur, schattigen Plätzen und Straßenszenen, die dich sofort einfangen. Schlendere durch enge Gassen mit Pastellfassaden, alten Kirchen und Cafés, die sich auf die Gehwege ausbreiten, begleitet von Musik, Gesprächen und dem Duft frisch gebratener Arepas.
Diese Stadt funktioniert bestens ohne festen Plan. Lass dich treiben, suche Schatten, wenn die Hitze zu stark wird, und finde irgendwann ein kleines Restaurant mit frischem Fisch und eiskalten Säften. Am Nachmittag lohnt sich ein Stopp im Gnam Gelato Italiano, einer Empfehlung der Einheimischen, und zu Recht, denn das Eis ist perfekt bei karibischen Temperaturen.
Wenn der Abend kommt, wirkt es, als würde die Stadt tief durchatmen. Die Lichter gehen an, die Straßen füllen sich erneut, und Santa Martas Nachtleben beginnt. Suche dir eine Dachterrasse mit Blick über die Stadt, bestelle Cocktails und beobachte, wie der Himmel von Gold in ein tiefes Blau übergeht. Besonders empfehlenswert ist La Azotea Disco Bar, eine Rooftop-Bar mit Clubatmosphäre und einem traumhaften Blick über die Stadt. Diese karibischen Abende mit Wärme, Musik und Lachen haben etwas Magisches. Nutze deinen letzten Abend und genieße jeden Moment, denn eine passendere Verabschiedung von dieser Küste gibt es kaum.

Tag 8 – Abschied von der Karibikküste
Der letzte Tag macht den Abschied schwer, denn acht Tage sind viel zu kurz, um diese Region wirklich kennenzulernen. Jeder Ort entlang der Strecke hätte mehr Zeit verdient, da in Cartagena noch viele Ecken zu entdecken sind, im Tayrona-Nationalpark unzählige Wanderwege warten und auch Santa Marta seinen ganzen Charme erst zeigt, wenn man länger bleibt. Dies war nur meine Route, doch wenn du genügend Zeit mitbringst, lohnt es sich, an jedem Ort ein paar zusätzliche Tage einzuplanen. Mein Abschied von Kolumbien war so ruhig und schön wie das Land selbst, denn der kleine Flughafen von Santa Marta liegt direkt am Meer, und während ich auf meinen Flug nach Panama City wartete, sah ich noch einmal auf die Karibik im letzten Abendlicht, ein Moment, der das Wegfliegen besonders schwer machte.






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